Wer es durchschaut hat, dass, was die Dinge zu Dingen macht, nicht selbst ein Ding ist, dessen Macht beschränkt sich nicht darauf, nur die Leute aus der Welt in Ordnung bringen zu können. Er geht aus und ein in der Räumlichkeit und wandelt durch die Welt. Er ist frei in seinem Gehen und Kommen. Von ihm kann man sagen, dass er die Welt zur freien Verfügung hat. Ein Mensch, der so (die Welt) zur freien Verfügung hat, der besitzt den höchsten Adel.
Seit Angebinn der Weltgeschichte gibt es kaum einen Menschen auf der Welt, der nicht durch die Aussendinge sein Wesen verschieben ließe. Der Gemeine gibt sein Leben um des Gewinnes willen; der Richter gibt sein Leben her um des Ruhmes willen; der Heilige gibt sein Leben her um der Welt willen. Alle diese Herren stimmen zwar nicht überein in ihren Beschäftigungen und nehmen einen verschiedenen Rang ein in der Schätzung der Menschen, aber was die Verletzung der Natur und die Preisgabe des Lebens anlangt, darin sind sie sich alle gleich.
Die Heiligen aber sind es, die des Reiches Förderungsmittel sind. Sie können die Welt nicht erleuchten. Darum: "Gebt auf die Heiligkeit, werft weg die Erkenntnis, und die großen Räuber werden aufhören!" Werft weg die Edelsteine, zertretet die Perlen und die kleinen Räuber werden nicht aufstehen! Verbrennt die Stempel und zerstört die Siegel, und die Leute werden einfältig und ehrlich! Vernichtet die Scheffel und zerbrecht die Waagen, und die Leute hören auf zu streiten! Wenn einmal die ganze Kultur auf Erden ausgerottet ist, dann erst kann man mit den Menschen vernünftig reden.
("culture" derives from "cult", meaning also every thinkable "ideology" !!)
Ach, wie widerspricht doch die Moral der menschlichen Natur! Was macht diese Moral doch für viele Schmerzen! Darum halte ich dafür, dass die Moral etwas ist, das nicht der menschlichen Natur entspricht. Was hat sie doch seit Anbeginn der Weltgeschichte für unnötige Verwirrung angerichtet! Wer mit Haken und Richtschnur, mit Zirkel und Richtscheit die Leute recht machen will, der verkümmert ihre Natur; wer mit Stricken und Bändern, mit Leim und Kleister sie festigen will, der vergewaltigt ihr Wesen; wer Umgangsformen und Musik zurechtzimmert, um die Moral dadurch aufzuschmücken und so dem Herzen der Welt Trost zu spenden, der zerstört ihre ewigen Gesetze.
Es gibt ewige Gesetze in der Welt, und was nach diesen ewigen Gesetzen krumm ist, das ist nicht durch einen Haken so geworden; was gerade ist, ist nicht durch eine Richtschnur so geworden, was rund ist, ist nicht durch einen Zirkel so geworden. Die Vereinigung des Getrennten bedarf nicht des Leims und Kleisters, und die Verbindung bedarf nicht Strick noch Schlinge. Die gegenseitige Anziehung auf Erden entsteht, ohne zu wissen, warum sie entsteht; die Einheit wird erreicht, ohne zu wissen, wodurch sie erreicht wird. Vom Uranfang an bis auf den heutigen Tag war es nicht anders und das soll man nicht verderben. Was hat hier nun die Moral zu schaffen mit ihren Einigungsmitteln, die nichts anderes sind als Leim und Kleister, Stricke und Schlingen? Was braucht sie sich einzudrängen in das Gebiet urewiger Naturordnungen? Sie bringt die Welt nur in Zweifel und verwirrt die Natur der Dinge.
Die aber Reichtum für ihr Leben halten, sind nicht imstande, anderen ihr Einkommen zu gönnen. Die Berühmtheit für ihr Leben halten, sind nicht im stande, anderen ihren Namen zu gönnen. Die der Macht zugetan sind, sind nicht imstande anderen Einfluß zu gewähren. Haben sie diese Güter in der Hand, so zittern sie und wenn sie sie hergeben müssen, so kommen sie in Trauer, und das Eine findet keinen Raum, wo es sich spiegeln könnte. Wenn man ihre ewige Rastlosigkeit betrachtet, so muß man sagen, dass das die Leute sind, die der Himmel zur Sklaverei verdammt hat.
Wem sein wahres Ich wichtiger ist als die Herrschaft über die Welt, dem kann man die Welt übergeben.
Des Himmels SINN ist, seine Kreise zu vollenden und nirgends sich zu stauen; darum kommen alle Geschöpfe zu stande. Des Herren SINN ist, seine Kreise zu vollenden und nirgends sich zu stauen; darum gehorcht ihm alles Land. Erleuchtet vom Himmel, kund der Offenbarung: also durchdringt die Lebenskraft des Herrschers die ganze räumliche Welt. Seine eigenen Taten sind unbewußt. Alles ist still in ihm. Des berufenen Heiligen Stille ist nicht Stille als solche; er ist gut, darum ist er still. Die Dinge der Welt vermögen sein Herz nicht zu stören, darum ist er still. Ist das Wasser stille, so spiegelt es klar jedes Härchen. Ist also stilles Wasser klar, wieviel mehr der Geist! Das Herz des Berufenen ist stille; darum ist es der Spiegel von Himmel und Erde.
Wer nicht handelt, dem steht die Welt zur Verfügung und er hat Überfluß. Wer handelt, der steht der Welt zur Verfügung und er hat Mangel.
Liebe und Pflicht sind Nothütten der alten Könige. Man kann darin eine Nacht verweilen, aber nicht dauernd darin wohnen, sonst stellen die, die uns zusehen, zu große Ansprüche an uns. Die höchsten Menschen der alten Zeit benützten die Liebe als Pfad und die Pflicht als Herberge, um zu wandern im Raum freier Muße. Sie nährten sich vom Feld der Wunschlosigkeit und standen im Garten der Bedürfnislosigkeit. Wandern in Muße ist Nicht-Handeln. Wunschlosigkeit ist leicht zu ernähren und Bedürfnislosigkeit braucht keinen Aufwand.
Die Alten nannten das: Wanderschaft, bei der man die Wahrheit pflückt.
Dschuang Dsi
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