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    Der  Zermalmer    
 
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Dennoch dachte ich mir, dass ich, wenn ich schon einmal hier sei, andere Lesungen besuchen könne, ob nicht vielleicht doch etwas passendes dabei sei.

So ging ich nach dem Raume des Zermalmers. Eine Etage höher lag er und die Tür war geschlossen. Von drinnen drang eine donnernde Stimme dumpf nach aussen. Ich ging hinein. Kaum jemand beachtete mich. So suchte ich mir schnell einen Platz und hörte dem Zermalmer.

"Die kulturelle kollektive Psyche eines Volkes ist unweigerlich gegossen in die dogmatischen Formen, welche von jenen gesetzt, die sich Propheten und Heilige nennen. Dies aber ist, notwendig vielleicht aus ihrer Position, doch nur allgemeine Satzung und Willkür aus unserer.

Nicht der allgemein verbreiteten Wirklichkeit gehören sie an, die sie und ich, als willkommen heißen, als einzige apodiktische, weil faktisch vorhandene, wie wir wissen, sondern einer, welche sie mit besonders hartnäckigem Vorsatze, den andern Vielen als ihr neues Eigen machen, ungefragt und ungebeten.

Ob ihres Ungestüms in theologischen Fragen eignen sich diese himmlischen Wolkenköpfe hervorragend dazu, den Kindern der Menschen, den naiven jungen und den faltigen alten, ganz besonders glaubhaft ein neues klebriges Netz von Spährengespinst und Moralkobolden zu weben, in das sich schlichte Gemüter zweifellos verfangen und kommende Denkergenerationen beim tradierten Grübeln halten. Und WIR können nun sehen, wie wir die Knoten lösen, besser noch das Netz zerschlagen.“ Den letzten Satz hatte er gebrüllt.

"Wir werden mit dem Bewußtsein eines einzelnen beginnen, ebenso wie die ganze Ursache dieses Zeitvertreibs der Theologie aus dem Bewußtsein jeweils Einzelner hervorsprang.

Märchen brauchen die Kinder und es wird fatal, wenn erwachsenen, aber törichten Menschen ein theologisch durchtränktes Paradigma angegeben wird und diese Leute sich unbekümmert danach ausrichten. Da kann ja jeder kommen. Wer will der erste sein? Doch alle waren bereits da. Jeder Kulturkreis hatte seinen Avatar.

Die Länder sind gesättigt von reinen Himmeln, Hitze- und Kältehöllen, bar jeder Zeit, hineinreichend in Ewigkeit. Eine Teestunde in einer Hitzehölle? Nichts als ein Attribut des einen Gottes aufrecht verwachsen, an dessen Unterarmen, sollen es mehrere sein?, blutverkrustete Frischgeborene vermittels ihrer Nabelschnüre festgebunden sind.

Da baumeln sie hinab und geben gurgelnde Laute von sich, begleitet von kleinen Blutstürzen aus ihren Mündern. Sie schlucken, quieken wie kleine Schweinchen und erbrechen erneut einen kleinen Blutstrom aus ihren zarten Gesichtchen, bald aus Näschen, bald wieder aus Mündchen, die kleinen Finger, verkrampft zitternd weit gespreizt, klammern sich in die beissend heisse Athmosphäre.

Blau-ädrige rotglühende kleine fühlende Körper an den sehnigen Armen eines Vorstehers. Das sind diejenigen die es nicht bis zum Elysium geschafft haben, zum Himmelreich der Rotznasen. Die armen Kleinen. Haben nicht mehr lange dort zu tun. Nur noch das eine oder andere Weltzeitalter. Bluterbrechende Rotznasen, deren Lungen ein aufs andre Mal verbrennen und sich dann wieder regenerieren, immer wieder aufs neue, für unvorstellbar lange Zeit. Den Wesen soll keine Ruhe sein.

Welch schöner Schmuck für einen dort einheimischen Vorsteher, welcher den sehnigen verwachsenen großen Körper in der einheimischen Farbe so schön zu bespritzen weiss.

Der Vorsteher treibt einen scharfen Gegenstand in den Bauch eines Deliquenten. Die baumelnden Körper schleifen den flammenden Boden und verbrennen sich Brust und Kopf und schreien und brechen Blut. Der Vorsteher weitet mit beiden Händen die Wunde des Deliquenten zu einem rotschwarzen Loch. Ein anderer spreizt ihm den Kiefer bis er bricht und schneidet ihm die Zunge aus dem Rachen, um sein ohrenbetäubendes Geschrei abzustellen. Der festgebundene Blutende gurgelt und krächzt und stöhnt.

Gefällt euch diese Hölle? Wartet nur. Es ist die leichteste von allen. Hinab geht es noch tief. Fragt nur eure Theologen. Sie werden die wundersamsten Welten und Ängste in eure Ohren flüstern. Und ihr sollt es glauben damit ihr ihnen recht seid. Als Schäfer wollen sie ihre Schafherde.

Seitdem die Menschheit sich ins Erwachsenenalter aufgehoben hat, will Gott sich nicht mehr aufzeigen und wir erfahren hiermit das Recht uns Occams Messer zu bedienen und dasjenige aus der Welt herauszuschneiden, was nicht in sie gehört, schlicht weil es nicht da ist. Wir haben wahrhaft Wichtigeres zu tun, denn die Wirklichkeit erwartet uns und wenn diese ihre Messer gegen uns wetzt, so seien wir wenigstens getrost, dass ihre Angriffe nicht bewußt sind, weil nichts ist, dessen Bewußtsein so umfassend ist, dass es die Welt als Ganzes fassen kann. Wir mit unserer Bewußtheit über uns und die Welt dürfen uns glücklich schätzen. Vielleicht sind wir die einzigen, die über einen solchen Radius verfügen. Wer soll es wissen und solange wir es nicht wissen, entfernen wir auch dasjenige und werfen es in die Nichtheit. Denn wir wollen bei der Wahrheit bleiben.

Diejenigen, die sich heute als Propheten ausrufen mögen, wissen doch nur von diesem fragwürdigen Berufe, weil es eine Tradition von etwaigen gibt, die dereinst als was auch immer gelebt haben mögen und welche diese heitere Profession, als weitreichende Katastrophe einführten. Die Auswüchse sehen wir heute. Unsere Kultur trägt diese ja immer noch und nur weil den Ärzten damals noch keine Klassifikation psychischer Störungen vorlag, wenn überhaupt ein nüchterner Begriff von Psyche, wie wir ihn heute kennen, haben wir nun epochealte theologische Dummheiten zu ertragen, die die Kultur auf eine Weise geprägt haben, die nicht zu dulden ist.

Meine Damen und Herren, stimmen sie mit mir überein, jeden auch nur geringsten Anwärter auf einen Weltposten sofort zu erkennen und unter Behandlung zu setzen.

Doch fassen wir weiter. Wie steht es nun um den Schlag der Propheten mit ihrem Missionarsgeschöfte? Ist es Weltverspieltheit großer Künstler, die ihre manischen Ideen als gerade wahr erachten um sie anderen einzuleiben, ihren Leib zum Wahren machend, der als Od gewahrt und vor Abtritt bewahrt werden muß, oder sie sind randvoll von echtem Diktum, welches transzendent genannt sein will, sei es als Göttliches, was immer dieses bei näherer Betrachtung ergibt? Vielleicht aber mögen sie Träger einer Störung ihres Mentals sein und ihr Gestörtsein als Wahrsein mißverstehen.

Die Theologen sind ähnlich. Nur verpassen sie den inneren Wahnsinn, der ihnen ermöglicht, ein ganzes Paradigma zu stürzen und ein neues zu errichten, innerhalb der Kür eines manischen Lebens. Die Theologen sind die Furtbewahrer und diejenigen, die ein System aus dem Leben der Propheten zu destillieren trachten und errichten einen Trampelpfad unter dem Namen ihres Herrn, ihrem einzigen.

Eifrige Theologen wünschen sich gar selbst als Propheten am Gängelband ihres Herrgotts. So sehr schwitzen sie mit gläubiger Inbrunst ihren Hochmut aus allen Poren, dass sie die Stimme ihres Gottes, der sie ausschickt, der Welt von ihm zu künden, mit ihrer eigenen Aggressivität verwechseln und der Welt und ihren Menschen nur ihren eigenen teuflischen und dummen Willen und ihr Wollen aufdrücken, was zweifelsohne ganz und gar unheilig ist und ihnen gewiss kein Heil gebracht hat, wenn es ihren Gott geben mag.

Man möchte meinen, der Teufel schickt mit den Missionaren seine Dämonen ins Land, die brandschatzend, die Werke Gottes denjenigen ins Gesicht lesen, denen sie ein heiliges Schwert in den Bauch stoßen, um vollendet zu überzeugen. Damit Gott seinen Frieden hat und der Unglückliche mit ihm.

Solcher Eifer wird bei Klerikern heutzutage nicht mehr gern gesehen. Und je weniger diese zu tun bekommen, je weniger man ihnen Arbeit gibt, zu kehren in der Welt, in die Schaufel ihres Gottes, desto mehr verliert die Welt ein Großteil ihres Schreckens. Und was bleibt, ist das Gut und Übel der Welt ohne Gott und Teufel. Weil die Welt blind ist, ist sie gut und böse zugleich und das eine kommt nach dem andern und das eine zu dem andern. Wie sollte es auch sonst zugehen. Das ist die Metaphysik.

Was haben wir noch an den Propheten und Heiligen? Und was wollen wir noch von den Theologen, dass sie sich nicht endlich in die Ferne machen? Was immer der Prophet als solcher bei denen auch heißen mag, die diesem inbrünstig anhängen und was dieser Schlag von glücklicherweise sehr wenigen Individuen auch bedeuten mag, aber vor allen Dingen Ewigkeit stecke darin, versucht man uns zu versichern und notwendig auch Vollkommenheit. Verkünder wollen sie sein, einer Wahrheit, die noch niemanden ihres Schlags vor existentiellen Schlägen ausgelassen hat.

Von Schlägen geprügelt und dazwischen nur kurzes Aufatmen, sind sie in ihrer Existenz und erkennen ihre Gelegenheit nicht an, sich auszuleben, wenn sie ja schon einmal ins Leben gerufen. Sie aber warten auf das Bessere, von dem es keine Gewißheit gibt und etwas Großes nachkommen soll, von dem aber das Größte doch schon hier ist. Die Welt mit ihrem Alles im großen All und nichts darüber noch dahinter.

Fragt die heutigen Nachkommen der Theologen, die damals Erleichterungen verkauften und mit der Hölle und dem Teufel auf Du, für die Wirksamkeit bürgten, sich ein Scheffel Zeit von einer Ewigkeit Qual und Folter abzukaufen; fragt sie nach einem Ablass! Geht in eine Kirche und fragt nach einem Ablass! Nach einer Beichtung, während einer Messe, während einem Begräbnis. Fragt nach einem Ablass für den Toten! Ein Scheffel Erleichterung gegen das Abstaktum der Ewigkeit.

Was das heißt! Wir sind hier bei bei einer totalen Demenz der christlichen Theologie. Denn mit dem Himmel wird ewiges Leben versprochen für die Guten und Heiligen, die der Welt heilsam waren und alle anderen empfängt demnach die Hölle zu einem Aufenthalt in ihrer eigenen Ewigkeit. Und Abläße, meine Damen und Herren, sind ebensoviel als nichts.Sie sind ein weiterer Witz der theologischen Geschichte aus einem ganzen Berg davon. Aber vielleicht sind sie immerhin doch so wenig etwas, dass sich zumindest die ablaßverkaufenden Theologen ein Plätzchen im Himmel verdienten, da sie den Sündern allergnädigst ein wenig Leid ersparten, gerade soviel, dass diese sich mit ihrem Geld, freilich die von Gott gesetzte Summe, für einige Dutzend Jahre freikaufen konnten.

Welch Glück für die heutigen Pfaffen, dass dieses Kapitel von den Menschen vergessen wurde. Welch Unglück für sie werden meine Lesungen sein. Geht hin, ihr Sünder, und fragt die hochwürdigen Winkelschneider nach Ablässen !

Es gibt aber einen fundamentalen Makel der christlichen Theologie. Ist es nicht so, dass jedes Wesen nur EINMAL in seine Existenz geworfen wird – lest es nach im treuen Katechismus – und nach diesem einmaligen Dasein gerichtet wird, daraufhin ob es sein weiteres Kontinuum in einem Himmel oder einer Hölle zubringt, zeitlos in alle Ewigkeit?! Nun aber ist es, dass alle Wesen vollkommen verschieden voneinander sind. Jedem Wesen eine andere Seinsweise und somit eine unter allen verschiedene Existenz. Und jede Existenz ist einmalig und einmaligen Widrigkeiten unterworfen.

So ist es ganz offenbar, dass der eine unter fürsorglich liebender Weise beachtet und geachtet, beschützt ganz und gar, auf gute Entwicklung angelegt, mit klugen Eltern und heller Umgebung, lieblich heranwächst. Die Lichtzimmer durchflutet von Wohlwollen und Süßkram. Diejenigen, die mit Lätzchen beschürzt am Tische die Hände falten können, weil ihnen nicht darauf heraumgeschlagen wird. Diejenigen, die Worte zum Beten finden, da ihnen dieselben nicht herausgeprügel werden und nur noch Schrei sind.

Diejenigen, die bekommen, was sie wollen und die bekommen, was sie nicht wollen und hievon noch nicht einmal alles kennen und die, denen alles nur genommen wird, mehr als sie ertragen.

Diejenigen, die Zeit zum Spiel finden und das Leben als Spiel angelernt bekommen, nicht zu leicht und auf keinen Fall zu streng und die anderen, denen Spiel zur Arbeit west und deren Augen trübe sind und kein Glanz mehr darin, keine Freude und Erwartung.

Die sich in Wolken denken, nichts müssen und nichts tun, und im lichten Schlafe ihrer Gottheit begegnen, anders diejenigen, die müssen und nicht können, aber zum müssen gebracht werden, denen wird die Welt dunkel.

Die mehr haben als sie brauchen, und davon geben können, wenn sie wollen, anders diejenigen, die geben würden, wenn sie hätten und denen doch nur genommen wird, so dass sie nicht einmal genug haben für sich selbst.

Und die kommenden Wiedrigkeitien des Lebens gehören bei den einen nur selbstverständlich zum Geschäft des Herangehens an eine höhere Welt und werden freudig begrüßt, da sie immer faßbar, niemals zu schwer sind.

Bei den anderen sind die Widrigkeiten aber das ganze Geschäft und gehören nicht nur notwendig dazu, damit nichts arg langweilig wird und ihr Leben ist nichts andres, als Unglück und Leid, und Wunden, die auf ihnen geschlagen werden, unablässig, anbis sie vom Leben abberufen werden.

Die einen sind die Umworbenen des Lichts und die Angetrauten des Glücks und der Freude.Und die anderen sind die aus dem Erdloch des Dunklen gespienen, die Ungewollten und Verbrannten, die seichten und unsacht behandelten Unsachten, deren unschuldige Wesensart zertrümmert wird, gar dann, wenn gerade sie es sind, die das seltene Vermögen haben, die Welt zu überblicken.

Die Zertrümmerten nämlich, deren innere Organe der Psyche durch das stete Trümmern braver Hände verstimmt wurden, und ihnen keine Dienste mehr leisten, erschrecken sich noch im Traume daran. Und tragen den Schrecken selbst ins Leben, das immer noch schrecklicher wird. Sie sind im Leiden die ersten und wurden doch nicht anders können gemacht.

Und obwohl alle so unterschiediche Schweren tragen von Geburt an, sollen doch alle nach den exakt gleichen Maßstäben gerichtet werden, wenngleich die einen es viel leichter haben, als die anderen. Wenngleich die einen um etwas kämpfen müssen, und die Anderen erhalten es als Selbstverständnis. So fällt es den einen viel leichter etwas nicht zu tun, um nicht zu sündigen und den anderen ist dies Tun bereits in der Wiege als Dispositum. Doch die Maßstäbe sind immer die gleichen.

Ist hierin Gerechtigkeit? Seht ihr hierin die ausgleichende Hand ihres Gottes, der seine Schafe auf ihrem Lauf zu ihm, doch notwendig gleich behandeln muß, mit einer Genauigkeit, welche unsre - zu jeder Zeit und auf jedwedes Seiendes bezogen, unvorstellbar übersteigt? Auf jedem zwielichten Dorfgerichte läßt sich mehr Gerechtigkeit finden als hierin.

Wohl ist keine Kreaktur wie die andere, und in dieser unermeß- lichen Vielfalt ließe sich ein logos dei wohl erblicken, doch sieht man genauer, bemerkt man, dass mit der Vielfalt der Formen unterschiedlichstes Leid angeboren ist, von unterschiedlichstem Extrem und Grausamkeit und ich frage euch: Wie kann ein Allvater seine Geschöpfe mit solch unterschiedlichen Leidensarten und Qual versehen, bei ihrem gemeinsamen Lauf zu ihm hinauf? Dies sind Geschöpfe, fühlende Wesen, die ausgestoßen wurden, zu dem was sie eben sind und kein einziges von ihnen hat darum gebeten und kein einziges ist Schuld dasjenige zu sein, das es ist und etwan sehr viel Leid zu leben, im Gegensatze zu einem andern, das ebenfalls unschuldig in die Geburt gestoßen wurde aber vielleicht viel weniger Leid erfährt als das eine.

Mißt man diese aneinander, Zeit ihrer beider Existenzen, wird man erkennen müssen, dass beide ein tatsächlich unterschiedliches Mass an Leid davongetragen haben. Und man wird sagen: Der eine habe es leichter als der andere gehabt, obwohl der eine wie der andere nichts dafür gekonnt haben, so zu sein, als sie waren, und deshalb ist es auch dem einen viel leichter gefallen gut zu sein als dem andern und der eine, dem es leichter fiel, kommt weit eher in sein Himmelreich, am Gerichtstage als der andere, dem es viel schwerer fiel und der weniger Gut schaffen konnte, selbst dann, wenn er wirklich gewollt hat, aber man hat ihn nicht gelassen aus dem und dem Grunde, der ihm zustiess und am Tage seines Gerichts wird es diesem schlecht ergehen.

So frage ich noch einmal: Ist hierin die Gerechtigkeit, die ein Gott seinen Geschöpfen so vollkommen, als dieser selbst nur ist, zukommen lassen muss, die sich auf dem gemeinsamen Weg zu ihm befinden?

Was ist denn mit denjenigen, die er zu früh zu sich nimmt, und diese keine Gelegenheit erhalten, Bewußtsein zu erlangen und nach seinen Maßstäben zu existieren? Für die hat die Theologie eigens ein Plätzchen geschaffen, das sogenannte Elysium, das Himmelreich der Rotznasen, um sie dort verweilen zu lassen, alsbis diese Problematik auf einem künftigen Konzil ausgefochten und Satzung wird. Bis jetzt ist sie es nicht ! Und die Menschen haben vergessen. Etwas, das sie vor allem anderen auszeichnet. Und die Theologen schulden eine Erklärung weniger. Wir aber zerren hier gerade das ans Licht, was einer der Grundpfeiler ihres Systems ist. Und der Pfeiler wird stürzen und mit ihm, ihre klebrige Theologie.

Die Propheten stören sich daran aber nicht und bekleiden weiter ihren Posten und die Theologen tun es ihnen gleich. Sie schließen die Augen vor dem was ist und lernen ihren Katechismus auswendig, um ihn auswenig hervorzupredigen, wenn es sein muß, aber um grundlegende Fragen trefflich zur Antwort zu bringen, dafür reicht es bei ihnen nicht, mit ihrer auswenigen unverstandenen Lehre. Die christlichen Theologen begreifen nichts! Sie ereifern sich im Auswendiglernen von Herz-Angelegenheiten und versuchen besser zu sein im "Katechismus-auswendig-können" als der andere, um hernach einen höheren Posten sicher zu vereinnehmen und fett zu werden und fettig zu predigen, unbegriffen auswendig Gelerntes.

Die Theologen halten weiter die Idee der Propheten wie im Wahne aufrecht, denn diesen haben sie ja von ihnen gelernt. So sind Propheten, Heilige und Theologen mit weltumspannenden Absichten weiterhin die großen Träger von Lebensprozess und Lebensgewohnheit, Kultur und Kunst, Moral und Ethik, Sitten, Angst, Quälerei und Kriegen, Martern und Folter.

Jedenfalls hat man damit Gelegenheit seine eigentlich dunkel menschlichen Gründe zu verbergen und auf die Religion zu rationalisieren. Die Theologen sind mit ihrer aufschürfenden prophetischen Tradiertheit der äußere Wille zur Macht, der sich seine Weite sucht, um sich neues Gebiet einzuleiben und den Wollenden ihre Sicherheit gibt, hinter die sie ihre Fürchtung kehren. Morden ist selig zu tun, wenn man nur vor dem Gotte einschreiten kann und sinnend diesen hinter sich als gutes Gewissen stellt. So darf man morden.

Aber auch Bekehrung - Willenbrechen - ist Mord.

Weil sie auf dem Willen fahren und ihr Gefährt vor ihrem Gott haben, dem wahren zudem noch, hinter ihnen, der Alleinzige, und die Welt mit ihm, so ist ihnen alles Recht gegeben, mithin der Erzug durch die Strenge des alten Gottvaters, der schon die Patriarchen erzog und auch die neuen Kinder der Welt erziehen wird und die Eiferer sich nichts aus all dem machen müssen, was sie anrichten, die Welt mit dem Gesichte ihres Glaubens zu umpflügen und mit Brand rechten Glauben zu setzen, haben sie nichts zu befürchten. Das Herz des zu Bekehrenden soll zu Gott entbrennen, zu dem ihrig einzigen, der so und so heißt und der so und so ist und dem der Katechismus einzig austritt und dieser Gott willt hinter ihnen und wenn nun das Herz des zu Bekehrenden nicht Einlass kehren will, dann soll nicht nur das Herz, sondern der ganze zu Bekehrende auf Reisig brennen.

Die im Sinne des Propheten Handelnden sind sein Streugut in der Zeit, die an ihm sich in Brand gesteckt haben, die Welt umeilend und nie zu Ruh gekommen, und gerade im Alter noch die Gläubigen von den Blauäugigen scheiden mit ihren Schneiden. Die Geistgeburt des Propheten zeichnet den Gang der Geschichte vor und ihn selbst zeichnet Nicht-von-der-Welt-der-Hierarchie-Sein aus. Doch gerade von Hierarchie stinken die Theologen des Christ-Propheten, dass es einem in der Nase weh tut. Das Gefolge dieses Epiphanisten hat eine donnernde Hierarchie errichtet, vollkommen im Gegenzug ihres Grund-Gebers, der davon niemals predigte. Einer seiner Jünger soll ihn gefragt haben, ob er im Himmelreich neben ihm an der Tafel sitzen werde. Und soetwas ist Jünger! Und soetwas ist Stellvertreter und hat später Nachfolger, Pfaffen und Bischöfe und Päpste und Prälaten und predigt euch und weiss nicht, dass es im Paradigma eines Himmelreiches weder oben noch unten gibt. Denn es gibt dort – eo ipso - keine Hierarchie, wie man sie hier kennt, auf Wohlwollen und Nicht-Wohlwollen und Angst gebaut.

Da sie ihn schon zu Lebzeiten nicht begriffen, mussten sie erst recht ihre eigene Interpretation über ihn und sein Treiben finden, ihre eigene Dogmatik erfinden, ein wolkiger Panzer, vor dem sich die Menschen ducken, weil er schießen kann, obwohl er die Form von Wolken hat und Nichts ist. Begriffen haben die nichts und die wenigen, die ihm noch am ähnlichsten waren, hatten - genauso wie er - am schlimmsten an ihrer Willkür und Dummheit zu leiden.

Die sogenannten Märtyrer hatten noch am meisten von ihm, und waren aber eine Gefahr für die anderen. Die nämlich fürcheten sich nur davor, ihren Rang zu verlieren. Hätten sie ihn nur verloren, und wären auf die gleiche Ebene gestürzt, auf der ihr Avatar existierte, auf die allerunterste. Dann hätte man gesehen, ob sie das Potential besitzen ihm ernstlich nachfolgen zu können. Sie hätten nicht. Freilich nicht! Die sehr wenigen, die es versuchten und konnten, wurden von ihnen geschlachtet. Denn sie selbst konnten nicht. Begriffen haben die nichts. Man begreift mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf. Das Dogma, ihr wolkiges Panzerbrot, ist ihre Kopfnahrung an euch. Ihr werdet daran verhungern.“

Er hatte geendet. Was gesagt war, senkte sich gut in den Kopf der Anwesenden, denn es war noch für einige Zeit still im Raum. Nichts davon war mir unbekannt. Ich stand auf und ging hinaus.


© Rai Jon Lu
   

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