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Psychophonie
 
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Ich ging ziellos weiter. Und gelangte wieder ins Erdgeschoss, an ein von einem Glasdach eingeschlossenes Rund, worin noch eine einführende Vorlesung stattfand. An der Wand stand mit großen Lettern: "Schule der Realität. Über die Weltperspektive des Subjects." Ich stellte mich zur Hörerschaft.

"Es bilden sich also Potentiale, die je nach Selbstwillen des Subjects aus der Zahl der Präexistenzen sukzessive gebildet werden.

Jene Potentiale nun verhalten sich zweifellos wie Wachs unter dem Einschlag zahlloser aufgebrannter Siegel, die die Umgebung für das Subject determiniert. Wir sprechen dann von Vektor und Betrag dieser Potentiale, welche von uns mathematisch genau ermittelt werden. Das Subject empfindet sich erst durch diesen Impact als solches.

Bevor jedoch dem Wachs des persönlichen Unbewussten eine Veränderung widerfährt, muss es erweicht werden, indem das Subject eine Erregung respektive Emotion erfährt.

Jedes unmittelbare Perzept – eine Wahrnehmungseinheit – erhält schließlich die Farbtöne der tiefen Gedankenbrut des Unbewußten und wird damit dem Subject mittelbar gemacht.

Aus der jeweiligen perspektivischen Sicht des einzelnen Subjects heraus, der persönlichen Weltperspektive, die das Seiende und das Geschehende auf die Bildebene des Verstandes projiziert und so verständlich machend notwendig verzerrt, und trübend klärt, macht sie die Welt entweder schillernd wie in einem lichten Honigglas oder dumpf und elend schwärzlich wie in einer schlammigen Pfütze und bildet dazwischen alle erdenklichen Facetten von Seinsweisen.

Und heute...haben wir die Pfütze hier: Dementia Lydema Preacox !

Meine Herren, bringen sie ihr Zimmer !"
Ein Container wurde eingefahren und rollte langsam in die Mitte des Hofes.
Aus dem Inneren der Box hörte man leise eine Stimme:
"Die Wände sind mir wieder anders bewegen sich als gestern."

Der Container hielt langsam an. Von aussen war es ein eigenartiger schlichter Kasten, die Wände waren etwas vergraut und zeigten manchen größeren Kratzer und hier und da eine kleine Schmiererei. Eine einfache Tür und zwei verhangene Fenster waren der einzige Zugang.
Und von innen

"ist es ein Zimmer, in dem es sich unsere Patientin seit Beginn ihrer Pubertät und der Dramatisierung ihres Leidens wohnlich gemacht hat. Ist es nicht so, Verehrteste?", dabei strahlte er und klopfte einige Male an die dünne Wand.

"Wer klopft ist es nicht hier drin der ist?", drang von innen.

"Lydema. Von Kindheit an auffallend zyklothym. Zu Beginn waren es noch zwei oder wenigstens so wenige, dass man sie bequem in gute und böse respektive ruhige inwärtsgezogene und hyperaktive Persönlichkeitsanteile unterscheiden konnte. Dann aber verschlimmerte sich ihr Zustand dramatisch. Sie wurde eingeliefert und lebt seitdem in ihrem neuen Zimmer." Er machte eine Bewegung mit der Hand auf den Kasten hinter ihm.

Die Studenten um ihn herum begannen sich zuzuraunen.

"Meine Damen und Herren. Ich bitte um Ruhe! Ruhe bitte!"

"Nun bringen sie mir bitte das Perseverierscribiermaschinchen und schliessen es an die Box." Zwei Männer trugen einen kleinen verdrahteten Kasten, öffneten eine kleine Luke an dem Zimmer, in welcher sich mehrere Steckplätze befanden und schlossen den kleinen Kasten an den bewohnten Grossen.

"Ah, meine Herren....die Lautsprecher, wo sind die Lautsprecher ? Bringen sie sie doch bitte. Mein Gott, muss man ihnen alles sagen?!"

Die beiden verschwanden und schleppten nach einiger Zeit zwei viertelmanns große Lautsprecherboxen herbei, die sie an den Seiten des rollenden Zimmers aufstellten und ebenfalls mit den Anschlüssen in der Luke verbanden.

"Nun, meine Damen und Herren", er rieb sich die Hände wie ein diebisches Kind.
"Dank der Invention der Perseverierscribiermaschine und des Cerebralwellentransformators, die man unserer Patientin dank unserer großartigen Neuroanatomen in den Kopf gepflanzt hat, direkt am frontalen Teil des Neocortex, werden wir nun in der Lage sein ihre Gedanken über diese Lautsprecher zu verfolgen."

"Nun, meine Herren, wollen wir beginnen! Meine Assistentin..!?" Eine aus der Zuhörerschaft lächelte verlegen und trat zu ihm.

"Schalten sie den Sonator ein. Wir werden nun hineingehen und sie....werden lauschen."

Er öffnete die Tür und die beiden verschwanden im Inneren des fahrbaren Zimmers.
Darauf hörte man ein lautes Knacken und dann nur das stetige leise Brummen der Lautsprecher.

Plötzlich drang aus den Lautsprechern:
"Klebend an der Wand wo es hängt führen sie sich hinein...beiläufig...tun so...als wär ich nicht dort...diejenige auf dem Bett sitzende Arbeit vortäuschende zwischen meinen Knien haltende Buch aus dem Regal...als man es einfach übergeht um in meiner Mitte zu stehen wo ich wohne.

Die Hände artig gespannt unter meinen Augen und warte und sehe ihnen zu...die weg von mir sehen und tun...als grüßen sie mich und halten Gespräch vor meinem gekauerten Bett...auf dem ich bin. Die Menschen...die das tun...sind nicht oft...und sehen mich...doch jetzt zur Wand hin. Wohin sie sehen...zerstören langgewebtes Spinngeflecht aus meinem Kopf. Und reden dabei. Viel hat es...als ich ihnen zuhöre...sagen sie.

Das Bild habe ich schon gehört...wie man es gut nennt...auch aus anderen. Nicht ist es mir wichtig. Alles was sie sagen...zu mir meinen sie es nicht. Den roten Sand an meinem Arm...um ihn zu zeigen....und sie sich mich merken...will es nicht und hasse sie. Sind sie weg kratze ich mein Türengesicht...bevor ich es sperre und mit Tränen meine Haut öffne.

Mein Leben in einer dunklen Stadt mit grünen Lichtern, manchmal nachts und sehe aus meinen Augenfenstern die Menschen auf der Strasse. Sie gehen und winken zu mir. Und unterhalten sich über mich. Kenne ich einige...die ich sehe ...jeden Tag und merke es an ihrem Hut und angeleinten Tieren. Diejenigen wissen...wo ich wohne...und warte den Tag auf einige....dass sie zu mir kommen. Und spreche mit ihnen in Träumen, wo sie leben wie ich und sich unterhalten mit vielen von mir.

Der Tag ist es nicht...und nicht so hell...bis sie bei mir sind. Nur dunkel und die Pfützen höre ich dann draussen wie sie zu mir wollen. Er redet mich auf....und sie...aber ich traumschlafe mit wachen Augen. Ich sitze in einer Bahn und sehe eine lange Lichtschnur über mir. Die mir Strahlen mit Staub wirft...während ich warte. Eine Endstation...die nicht fahren will. Ich laufe vor dem Krieg...vor dem Messer das Beinchen zerdrückt und vor dem Geräusch davor. Dann wieder ein Zug mit dem ich früh jeden morgen hinsteigen muss...so müde bin ich. Er hat kein Dach und kein Geländer und nichts wo ich festhalten kann und fährt schnell in einer geraden Linie. Immer mache ich Sorgen. Denn jeden morgen muss ich ihn erreichen....auf ihn zu springen. Sonst verpasse ich ihn...und bekomme Schmerzen.

Aus dem Fenster ist es von einer milchigen Kälte und in mir träumt es. Den ganzen Tag als niemand da ist...um es zuzuhören. Also ist es still draussen und ich höre mich und alle in meinem Kopf. Das mir erzählt was ich denke...auch wenn ich schreie es aufzuhören. Das ich sehe wird zum Wort und denkt für mich alle. Und höre zu was es sagt. Schlägt mir auf den Mund und viel lauter als ich kann. Manche flüstern...andere schreien...dass ich mir alle Ohren halte und möchte es aufhören.

Und dass ich zurückkomme aus dem Bergen meines Wahns...sagt er zu meinem Kopf. Und dreht und wendet ihn mit seinen Fingern während er die Frau aufredet. Er spricht zu ihr...lässt mich wenig los...dann wieder fest an mir und in meinem Kopf will ich hinaus...weg von ihm. Nicht gut...ist er zu mir. Der Mann der Stimme der Schnitte. Er spricht und es schneidet in mich. Nicht ertrage ich sein Lächeln...das nur so tut. Und sein Mund auf den ich in Gedanken spucke. Die Stimmen lachen. Meine Mutter hatte mich vor vieler Zeit zu ihm vermählt...als er zu mir durfte...als einziger. Und ihn hasste alles. Die Sonne die sich dunkelte und die Wolken dicht herabkamen...um mir zu helfen.

Alles klopft gegen die Scheibe...und die Frau geht sie zumachen. Still sehe ich ihren Rücken und möchte ihn bohren...um sie anzuhalten mit meinen spitzen Fingern. Die Frau ist wie ein grauer Baum vor dem Fenster und ihre Wurzeln dort halten sie fest zur Strafe. Sie spricht wieder mit ihm. Über die Tropfen reden sie...auf dem Papier die ich gemacht habe an der Wand. Sie hängen wie faule Trauben von oben herab und ihre Farbe ist violett. Den Stift klammere ich in meiner Hand. Er ist ganz warm geworden und habe Angst...dass er schilzt. Ungeduldig bin ich und warte. Der Mann lächelt wieder zu der Frau...die an mich starrt. Er ist manchmal schwarz. Riecht nach Pfefferminz bevor er geht und ich möchte keines davon. Seine Hand zittert.

Er entdeckt meinen Unrat. Er war der erste der sah die Welt in meinem Kopf. Und als zweiter hörte alle Stimmen. Einmal gesagt hat er es mir. Und ich habe ihn mit meiner Hand geschlagen. Er darf es nicht sagen. Denn sie hören es...................
.UND BRECHEN MIR DEN KOPF !!

Der erkaltete Fisch liegt hinter deinem Verschlage... Schlange!..Und leugnest durch die aalbeinernen Schenkel in schäbigen Anlässen durch Rüstungen voll Speichel dich und deinesgleichen...deines dämonernen...du roserotenes Fleisch in dämmrigen Speichern haust...als wanderten sie umher und wie rattenblutenes schwarzes Meer...weit vor dir hinweg...mein Liebes...!"

Schreie drangen aus den Lautsprechern und aus dem Inneren des Wohnkastens. Es pfiff ohrenbetäubend daraus. Die Frequenzen übersteuerten sich. Die Zuhörerschaft zuckte zusammen und jeder presste seine Hände auf beide Ohren. Die Tür zu Lydemas Wohnstatt sprang ruckartig auf. Der Dozent und seine Assistentin kamen herausgerannt, beide mit blassen verschreckten Gesichtern.

Der Dozent rief: "Gebt ihr ein Sedativum! Pfleger! Bringt sie weg! Stellt sie ruhig! Schafft sie weg!". Drei Pfleger stürmten Lydemas Zimmer. Die Lautsprecher wurden abgeschaltet. Von aussen hörte man sie noch schreien. Dann etwas verhaltener. Kurz darauf war es still.

Ihr Zimmer wurde hinausgerollt.

"Mein Gott, dieses junge Weib!". Der Professor hatte sichtlich Mühe die Fassung wieder zu finden. Seine Augen waren noch etwas ernst und weit. Er nahm einige tiefe Atemzüge, setzte sein grinsendes Lächeln auf, mit dem er seine Zuhörerschaft beschwichtige und beruhigte.

"Zwischen Fieberglas und Azurit liegt ihre düstre Welt. Die ihr niemand ausser kennt. Haha..Oh! Sehen sie ? Wie dumm von mir. So lange habe ich sie nun besucht. Spreche ich nicht schon wie sie? Hahaha..."

Die Studentenschaft lachte.

"Ich kenne sie nun gut, obwohl sie sich so energisch weigert, mit mir zu sprechen. Ihr Geist wird occupiert von...nun...Persönlichkeitsanteilen, die selten Gesichter, aber viele Meinungen vertreten, mit denen Lydema nicht unbedingt übereinstimmen muss; aber sie weiss ja gar nicht mehr wie es ist, sie selbst zu sein und wie es war, bevor sie sich dahingehend veränderte, wie wir sie heute wieder gesehen respektive gehört haben, um es ihnen im Vertrauen zu sagen. Natürlich ist es keiner der vielen Leibhaftigen, der in sie gefahren ist, um ihr denkendes Organ zwischen seinen Fingern zu kneten, damit zu spielen, wie er es ganz sicher unter seinesgleichen gewohnt ist, um ihr derart cerebrale Flausen in den Kopf zu setzen. Oh, Geschichten könnte ich ihnen erzählen. Von zu eifrigen Pfaffen, die ihre Ordination zu spät erhielten und aus lauter Furcht, mit zu vielen Sünden im Register die letzte Ölung empfangen zu müssen, ergehen sich diese frömmlerischen Famuli des ehemals Gesandten, mit naivem Besteck und Gebet, an ernsthaft erkrankten Patienten, die – sie werden es mir zusprechen – ausschließlich unsere Profession mit nicht den schlechtesten Aussichten gesunden lassen kann."



© Rai Jon Lu
   

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